MOONICH Klimaneutralität bis 2030

„Wir unterwerfen Entscheidungen heute einer weiteren Dimension:
welche CO2-Auswirkung sie hat“

Im Juli-Beitrag berichtet Lars Keussen, Geschäftsführer von Moonich, von der Datenerhebung, die für die Erstellung der Klimabilanz nötig ist, welches Ergebnis ihn am meisten überrascht hat und welche Veränderungen der Beitritt im Bündnis „Die Klimaneutralen“ im Unternehmen schon bewirkt hat.

Sauerlach, 25. Juli 2022.
Wie ist die Stimmung? Haben Sie es schon bereut, sich verpflichtet zu haben, klimaneutral zu werden?
Lars Keussen: 
Wie soll ich das jetzt am besten umschreiben… Die Stimmung ist vielschichtig, wir lernen gerade, dass wir nicht mit einer einzelnen Krise umgehen müssen, sondern eine Vielzahl von Krisen das Leben und das unternehmerische Handeln stark beeinflussen. Gleichzeitig lernen wir jeden Tag, wie sehr es jetzt auf jeden/jede Einzelne/n und insbesondere auch auf die Organisation ankommt, etwas gegen Energieknappheit, Preisexplosion und den Klimawandel zu tun. Das schafft neue Horizonte und entfaltet zum Teil äußerst positive Energien und Enthusiasmus. Um es kurz zu machen, der Schreibtisch ist voll, der Terminkalender noch voller, aber das Thema Klimabilanz / Klimaneutralität hat eine sehr hohe Priorität, nicht nur bei mir persönlich sondern - und das motiviert mich besonders - im gesamten MOONICH-Team.


Wie ging es nach der Auftaktveranstaltung „Die Klimaneutralen“ am 23. Mai weiter?
Lars Keussen: Im Mai kam von der Energieagentur Ebersberg-München das sogenannte Kommunikationspaket in 2 Teilen. Teil 1 befasst sich mit Claims, Slogans und der Social Media-Kommunikation. Hier werden Hilfestellung gegeben und Ideen geliefert, die man vorgefertigt verwenden kann. Auch Mitarbeiter-Anschreiben wurden mitgeliefert und die Social Media-Guidelines erklärt.

Im Teil 2 wurde eine „Die Klimaneutralen“-Billboard Kampagne vorgestellt, die allerdings nur für die ersten zehn Teilnehmer ausgelobt wurde - wir waren leider Nummer 16 der ersten Anmeldungen. Interessant ist die Nutzung des Logos. Blau für alle Unternehmen, die nachweislich noch nicht klimaneutral sind. Das gleiche Logo in der Grundfarbe grün dokumentiert bereits das Erreichen der Klimaneutralität für die Organisation. Angeblich gibt es schon Unternehmen, die das grüne Logo verwenden dürfen – ich bin gespannt, wann wir umstellen können.

Als nächstes haben wir auf die Listen gewartet, die es dann galt auszufüllen. Diese Angaben dienen zur Erstellung der Klimaanfangsbilanz im Unternehmen. Hier unterscheidet die Energieagentur zwischen Hilfstabelle Mitarbeitermobilität und dem eigentlichen Fragebogen. Die Agentur gibt in einem mitgelieferten PDF Hilfestellung zum Ausfüllen des Fragebogens und der Hilfstabelle.

Erfasst werden zum Beispiel die mit den Firmenfahrzeugen gefahrenen Kilometer - aufgeteilt nach Verbrenner und rein elektrisch. Auch Flugreisen in 2021, der gesamte Trinkwasserkonsum, Milch und andere Getränke - ja sogar die Häufigkeit veganer Gerichte im Rahmen der Mitarbeiterverpflegung wurde abgefragt. Also eine ganze Vielzahl von Positionen, die alle Einfluss auf die Klimabilanz nehmen.

Das Zusammentragen all dieser Informationen war nicht einfach. Vieles davon konnten wir nur im Team - allen voran mit Unterstützung der Finanzabteilung – erbringen und es hat viel Recherche erfordert. Das Gute daran ist, man weiß, auf was es ankommt, und bereits jetzt werden Daten bei der Rechnungserfassung erhoben, die normalerweise nicht in die Finanzbuchhaltung einfließen, sondern die für die Klimabilanz nötig sind, damit wir im nächsten Jahr die Daten schneller erfassen und auswerten können.

Welche Zahlen mussten Sie bei der Energieagentur Ebersberg-München abliefern, damit die Bilanz für Scope 1 und 2 ermittelt werden kann?
Lars Keussen:
Im Rahmen von Scope 1 werden direkte Emissionen aus Emissionsquellen im Unternehmen ermittelt, zum Beispiel von Firmenfahrzeugen. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus der Energie, die das Unternehmen von außen bezieht, also vor allem Strom und Wärme. Die Ermittlung dieser Daten ist Pflicht.

Es gibt auch noch Scope 3. Darunter fallen die Treibhausgas-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens - inklusive aller vor- und nachgelagerten Aktivitäten wie Transport und Verpackung. Die Energieagentur Ebersberg-München verlangt von den teilnehmenden Unternehmen nicht, dass alle Emissionen aus Scope 3 ermittelt werden, denn das kann äußerst komplex und schwierig sein. Stattdessen hat die Energieagentur eine Auswahl getroffen. Aber Scope 3 kommt auch erst später. Wir haben uns schon vorgenommen, mehr als die obligatorischen Daten zu erfassen.

Wer trägt die ganzen Zahlen und Informationen zusammen? Wo ist solch eine Aufgabe im Unternehmen angesiedelt?
Lars Keussen: Die Geschäftsleitung trägt die Daten mit Hilfe der Finanzabteilung zusammen sowie Mitarbeiter, die uns dabei unterstützen wollen. Insgesamt ist die Hilfsbereitschaft im Unternehmen sehr hoch, das gemeinsame Ziel schnellstmöglich zu erreichen.  

Und welches ist Ihre Rolle in dem Projekt? Haben Sie als Geschäftsführer eines Unternehmens mit 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überhaupt Zeit, sich darum zu kümmern?
Lars Keussen: Ich halte es für meine Aufgabe, das System zu installieren. Auch lerne ich täglich dazu und muss wissen, auf welche Daten es ankommt, um gegebenenfalls Änderungen im Unternehmen oder den Prozessen vorzunehmen. Man kann vieles delegieren, aber hier ist die Information auch Schlüssel zum Erfolg, daher Sache des geschäftsführenden Gesellschafters. Aber ich bin begeistert von dieser Arbeit und gehe mittlerweile Freunden und Familie mit den gewonnenen Erkenntnissen ziemlich auf die Nerven. Ich bekomme im Freundeskreis schon Spitznamen wie Lars Thunberg und so, aber ich halte das aus - es gibt nämlich auch international von Kunden und Lieferanten bis nach Australien große Anerkennung für unser Tun, unseren Blog und unsere Kommunikation. Speziell die Australier leiden derzeit wie kaum ein anderes Land unter den Veränderungen des Klimas - Stichwort Great Barrier Reef, Buschbrände in weiten Teilen des Landes und jetzt die Überschwemmungslage in Südost Australien. Also am Ende alles eine Frage der Perspektive.


Hat Sie etwas besonders überrascht? Sei es positiv oder negativ.
Lars Keussen: Sehr überrascht haben mich einige Ergebnisse. Wir haben zum Beispiel errechnet, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund 80.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto für ihren Arbeitsweg zurücklegen, obwohl die Hälfte zu Fuß geht.

Und die Detailtiefe der Daten, die verlangt wurde, hat mich überrascht. Zum Bespiel zum Kaffee, der getrunken wurde oder welches Essen es in der Kantine gibt.

Welches ist bislang Ihre wichtigste Erkenntnis bei diesen ersten konkreten Schritten zur Erstellung der Klimabilanz?
Lars Keussen: Wir haben heute schon vieles erreicht, aber man muss Entscheidungen, die man früher einfach so getroffen hat, beispielsweise Reise per Auto, Zug oder Flugzeug, heute einer weiteren Dimension unterwerfen - welche CO2-Auswirkung hat diese Entscheidung! Das ist die wichtigste Erkenntnis und das treibt uns, das treibt mich an. 


Haben Sie schon etwas verändert? Und welche konkreten Veränderungen planen Sie aktuell?
Lars Keussen: Wir wollen die Jobrad-Initiative verstärken - eine Kollegin hat mich gestern ganz stolz auf ihr neues Jobrad aufmerksam gemacht - ein neues E-Bike von Scott, welches sie als Ihr neues „Auto“ betrachtet. Sie kauft damit ein, macht Erledigungen und nutzt es für die Freizeit und ihren sportlichen Ausgleich. Alleine mit dem Vorgängerrad - auch ein Jobrad - ist sie sage und schreibe 9.560 Kilometer in drei Jahren gefahren.

Wir planen zusätzlich zur bestehenden Photovoltaik-Dachanlage noch die vertikale Anbringung weiterer Solarmodule, um die Tage mit hohen Schneemengen auf dem Dach zu überbrücken. Dann können wir zu diesen Zeiten immer noch mit einem gewissen PV-Ertrag rechnen - zumindest an den Ost-, Süd- und Westfassaden.

Außerdem werden wir unsere neueste Produktreihe „HEATSCOPE Rooms“ für die energieeffiziente, elektrische Beheizung von Räumen und ganzen Gebäuden vorstellen. Hier greifen die Idee der Klimaneutralität und die strategische Unternehmensausrichtung ineinander: Es macht jetzt alles noch mehr Sinn, denn wir lernen in der Organisation, was für andere Organisationen funktionieren kann und wird. Alles in Allem muss ich gestehen - ich wiederhole mich hier - wir haben intuitiv vieles vorher schon umgesetzt, bevor wir wussten, auf welche Stellschrauben es ankommt, um Klimaneutralität zu erreichen: Photovoltaik-Anlage, Ökostrom, neue Pelletheizung, E-Fahrzeuge, BahnCard für die Geschäftsleitung - vielleicht künftig sogar für einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und es ist sehr wichtig, das Bewusstsein im Unternehmen für die Brisanz und Wichtigkeit des Themas Klimaschutz zu stärken.

Wie geht es weiter?
Lars Keussen: Wir bleiben am Ball, hoffen auf die baldige Eröffnungsbilanz und Feedback auf unsere eingeschickten Zahlen und platzen vor Neugierde, wo wir stehen und wie schwer der Weg noch ist, der vor uns liegt.

MOONICH Bündnis Klimaneutrale beigetreten

Die Klimaneutralen
Logo: Bündnis Ebersberg

MOONICH Jobräder

Angebot an Jobrädern: Mountainbike, E-Bike, Lastenrad
Foto: Moonich

MOONICH Jobräder

Jobräder werden in der Freizeit für Einkäufe oder Sport genutzt
Foto: Moonich 


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